Entscheidend ist jetzt die Sacharbeit

img.phpInterview von Kerstin Siegmund, Calenberger Zeitung, mit Torsten Jung und Hartmut Nitsche von der Wählergemeinschaft Freie Wähler Ronnenberg.
Bei der Bürgermeisterwahl haben 3552 Ronnenberger Torsten Jung (51) ihre Stimme gegeben. Mit diesen beachtlichen 27,1 Prozent brachte er Stephanie Harms (CDU) und Torsten Kölle (SPD) in die Stichwahl, die Harms für sich entschied. Im Gespräch mit Redakteurin Kerstin Siegmund erläutern Jung und sein Pressesprecher Hartmut Nitsche die Strapazen des Wahlkampfs und ihre politischen Vorhaben für die Stadt.
Hat sich die neue Bürgermeisterin Stephanie Harms schon bei Ihnen bedankt für die Wahlempfehlung, die Sie abgegeben haben? Erwarten Sie jetzt eine Gegenleistung?
Jung: Als Gegenleistung für meine Unterstützung wird sich Frau Harms unserer gemeinsamen Ziele annehmen. Diese sind häufig identisch, etwa die Verkehrssituation im Wohnpark oder zusätzliche Halte auf der S-Bahnlinie 5 in Ronnenberg und Empelde. Wir werden sachbezogenen zusammenarbeiten und die „offenen Baustellen“ in unserer Stadt aufarbeiten.
Mehr hat sie Ihnen nicht versprochen? Und welche Gemeinsamkeiten meinen Sie?
Jung: Meinen Sie einen neuen Job? Ich habe bereits einen in der IT-Branche, den ich wegen des Wahlkampfs erst am 15. Oktober antrete. Bei den Gemeinsamkeiten denke ich an das städtische Freibad und das Jugendzentrum für die über 14-Jährigen. Seit drei Jahren diskutieren wir im Rat darüber. Nun wollen wir nicht noch zwei weitere Jahre auf Container warten, wie es die Verwaltung vorgeschlagen hat.
Konnten Sie den Wahlkampf, den Sie zuletzt als diffamierend empfanden, hinter sich lassen?
Jung: Mir hat der Wahlkampf arg zugesetzt. Ich bin dünnhäutiger geworden. Nachdem ich mich für Frau Harms ausgesprochen hatte, wurde ich nur noch diffamiert, im Internet und in vielen fingierten Leserbriefen. Darunter leidet meine gesamte Familie. Ich habe nichts gegen Streit, aber es muss mit offenem Visier gekämpft werden.
Wie erklären Sie sich die persönlichen Angriffe?
Jung: Meine Kandidatur hat die SPD durcheinandergebracht. Torsten Jung wurde das Feindbild.
Sie haben Anzeige wegen übler Nachrede erstattet. Was ist daraus geworden?
Jung: Das Verfahren läuft noch. Ich erwarte jetzt eine persönliche Entschuldigung von der SPD. Dass sich Herr Kölle bei Frau Harms entschuldigt, reicht mir nicht. Ich brauche nichts Offizielles. Wenn Herr Kölle das Gespräch sucht und mir die Hand reicht, sage ich: Schwamm drüber.
Muss man denn im Wahlkampf nicht mit derartigen Angriffen rechnen?
Nitsche: Den Freien Wählern kann man keinen schmutzigen Wahlkampf vorwerfen. Nach der pauschalen Diffamierung muss es eine aufrichtige Entschuldigung geben. Für uns geht kein Weg daran vorbei, dass in der SPD personelle Konsequenzen gezogen werden. Der Vorsitzende Herr Heim sollte gehen. Das ist er der Beziehung zwischen der Bürgermeisterin Stephanie Harms und dem Ersten Stadtrat Torsten Kölle schuldig. Nur so kann das frostige Klima im Rat, das jetzt einsetzen wird, überwunden werden. Es muss eine Zäsur geben. Die Äußerungen von Rot-Grün empfinden wir als Kampfansage. Die SPD weiß, dass sie im Wahlkampf kapitale Fehler gemacht hat. Jetzt muss sie menschliche Stärke beweisen.
Jung: Bisher kommt keinerlei Hinwendung zur neuen Bürgermeisterin. Dieses Amt darf nicht beschädigt werden.
Wie wollen die Freien Wähler mitwirken? Ihnen wird häufig Populismus vorgeworfen.
Nitsche: Wir machen keinen billigen Populismus. Beispiel Verbesserung der Verkehrssituation im Wohnpark am See; optional die Öffnung der Beckstraße: Das ist der Wunsch einer Mehrheit der Bürger. Die Freien Wähler müssen sich zudem personell neu aufstellen. Bei uns muss mehr Qualität rein. Wir werden nicht damit kokettieren, dass Herr Jung bei der Bürgermeisterwahl das Zünglein an der Waage war. Entscheidend ist jetzt die Sachpolitik.Jung: Wir werden uns mit der CDU und Carsten Mauritz (früher CDU, jetzt parteilos, die Red.) beraten, wie wir aus der politischen Minderheit agieren wollen. Mauritz ist eine Bereicherung mit 16 Jahren politischer Erfahrung. Ich verfüge über sieben Jahre, meine Fraktionskollegen nur über zwei Jahre.
Quelle: Calenberger Zeitung vom 15.102013
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